Dürfen Herzkranke in die Sauna?

Dürfen Herzkranke in die Sauna, was dürfen sie und was sollten sie nicht machen

Worauf bei koronarer Herzkrankheit, Bluthochdruck, Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen vor und nach dem Saunagang zu achten ist erläutert der Experte der Herzstiftung.

Gerade in der dunklen, kalten und ungemühtlichen Zeit des Jahres ist für viele der Gang in die Sauna ein Lichtblick. Sie können sich dort entspannen und ihren Kreislauf in Schwung bringen. Viele Patienten mit den Krankenheiten wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzkranzgefäßerkrankungen,  Herzschwäche oder Bluthochdruck möchten auch diese Art von Entspannung genießen.

Aber dürfen die Patienten überhaupt in die Sauna?

Der Herzstiftungs-Experte und Kardiologe, Dr. med. Vinzenz von Kageneck, empfiehlt und rät, vor dem Saunieren mit ihrem zuständigen Kardiologen zu sprechen. Der Kardiologe kann anhand des Krankeitsbildes sehen, ob der Patient saunieren darf, unter welchen Umständen oder ob davon abgeraten wird.

Menschen haben eine Körpertemperatur von ungefähr 37 Grad Celsius und müssen diese Temperatur bei Kälte und Wärme halten. Der Körper heizt sich bei großer Wärme wie in der Sauna sehr auf. Diese Wärme muss über die Haut und über Schwitzen abgegeben werden. Das Blut nimmt die überschüssige Wärme aus dem Körper auf und transportiert sie zu den kleinen Hautgefäßen. Die kleinen Gefäße in der Hut führen die Wärme wieder an die Luft ab. Je mehr Blut vom Herzen durch die Hautgefäße gepumpt wird, desto mehr Wärme kann der Körper abgeben.

Der Hamburger Herzspezialist erklärt den Vorgang so, dass ein gesundes Herz diese Mehrbelastung in der Regel problemlos bewältigt. Ein krankes Herz dagegen kommt schneller an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit.

Sauna ja, aber nur bei langsam steigenden Temperaturen, aber…!

Die Temperatur auf der Haut steigt bei einem Saunagang zwischen 70 und 80 Grad und einer Dauer von 15 bis 20 Minuten um zirka zehn Grad. Die Kerntemperatur im Körper um bis zu zwei Grad an, also ca. 38,5 bis 39 Grad, was einem mittlerem bis höherem Fieber entspricht. Durch den Anstieg der Temperatur erweitern sich die Blutgefäße deutlich, der Blutdruck sinkt erst einmal und die Pulsfrequenz steigt an. Am Anfang des Saunaganges liegt die Pulsfrequenz bei ca. 20 und zum Schluss bei ca. 50. Durch die Erhöhung des Pulses steigt die Herzleistung um ca. 80 Prozent.
Die plötzliche Abkühlung nach dem Saunagang, zum Beispiel unter einer Schwalldusche oder im eiskalten Tauchbecken, dürfen auf keinen Fall praktiziert werden! Durch diese ruckartige Abkühlung ziehen sich alle extremgeweiteten Blutgefäße in der Haut und im dessen Unterhautgewebe plötzlich zusammen. Eine große Menge an Blut wird in kürzester Zeit in das Körperzentrum gedrückt. Diese erhöhte Blutmenge und der dabei schnell ansteigende Blutdruck belasten das Herz ungemein, was die Patienten ungemein gefährdet. Nach dem Saunagang müssen sich die Patienten langsam abkühlen. Das langsame Abkühlen kann an frischer Luft, in kühlen Räumen oder durch lauwarmes Duschen erfolgen.

Fazit für Patienten – Sauna bei langsam steigenden, aber niedrigeren Temperaturen und eine vorsichtige Abkühlung

Patienten mit Herzkranzgefäßerkrankungen sollten in einem Belastungs-EKG mindestens 75 Watt problemlos schaffen. Der maximal erreichbare Puls und der Trainingspuls sollte dabei festgestellt werden. Auch KHK-Patienten dürfen unter Umständen in die Sauna. Es muss darauf geachtet werden, dass die Saunagänge mit langsam ansteigenden Temperaturen und einer kurzen Aufenthaltsdauer begonnen werden. Während des Saunierens ist es sehr wichtig, immer wieder den Puls zu checken. Die Pulsfrequenz sollte nicht zu lange über dem erlaubten Trainingspuls liegen, so der Herzspezialist Dr. von Kageneck.

Bei langsamer Gewöhung an die Sauna könnten Patienten mit chronisch zu niedrigen Blutdruckwerten durchaus vom Saunieren profitieren. Der am Anfang des Saunierens abfallende Blutdruck kann gefährlich werden, warnt der Spezialist. Genau wie bei gesunden Menschen ist auf Alkohol vor, während und nach der Saunazu zu verzichten, warnt der Herzspezialist. Weitere Informationen zu koronare Herzkrankheit, kurz KHK finden Sie unter Koronare-Herzkrankheit

Saunaaufgüsse sind für herzschwache Patienten ein Tabu!

 

Für Patienten mit Herzschwäche und alle anderen Herzpatienten ist ein Saunagang eine Belastung für das Herz von zirka 50 Watt. Das entspricht einem schnelleren Gehen.

Der Herzstiftungs-Experte und Kardiologe, Dr. med. Vinzenz von Kageneck zu herzschwachen Patienten: Bei Herzschwachen sollten eine Belastbarkeit von mindestens 50 Watt, besser von 75 Watt vorhanden sein. Temperaturen von 60 bis 70 Grad sollten zumindest in einer langen Eingewöhnungsphase an die Sauna nicht überschritten werden. Insbesondere Patienten mit Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen sollten auf eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr während ihres Saunabesuchs achten. Beim Schwitzen werden unter anderem Elektrolyte (Körpersalze) ausgeschieden, die eine wesentliche Rolle für den Herzrhythmus spielen. Dieser Verlust muss Dr. Kageneck zufolge dringend ausgeglichen werden. Die beliebten Saunaaufgüsse sind für alle Herz-Kreislauf-Patienten grundsätzlich tabu.

 

Weitere Infos für Kranke und Angehörige

Ratgeber zur Herzschwäche

Für Patienten mit Herzinsuffizienz bietet die Deutsche Herzstiftung den aktuellen Ratgeber „Das schwache Herz – Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz heute“ an. Der Band (160 S.) ist kostenfrei unter www.herzstiftung.de/… erhältlich oder per E-Mail: unter bestellung@herzstiftung.de und per Tel. unter 069 955128400.

Ratgeber zur KHK

Der Ratgeber „Herz in Gefahr – Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt“ (160 S.) informiert über Möglichkeiten der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von KHK/Herzinfarkt und kann kostenfrei angefordert werden unter www.herzstiftung.de/khk-sonderband.html oder per E-Mail: unter bestellung@herzstiftung.de und per Tel. unter 069 955128400.

Fotoquelle: fotolia

 

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